{"title":"Gar nicht mal so schockierend: The Shocking Miss Emerald von Caro Emerald","slug":"caro-emerald-the-shocking-miss-emerald-review","url":"https://www.romanjasiek.de/caro-emerald-the-shocking-miss-emerald-review/","published_at":"2013-05-03T19:29:00.000Z","updated_at":"2026-10-11T19:39:03.000Z","excerpt":"2009 betrat eine niederländische Künstlerin die internationale Musikbühne, die mit ihrem Debütalbum Deleted Scenes From The Cutting Room Floor aus dem Stand mächtig abräumte. Diverse Gold- und Platinauszeichnungen wurden ihr ebenso zuteil wie die Auszeichnung mit der Goldenen Kamera für die Beste Musik International oder dem Echo für den Newcomer des Jahres (International). Die Rede ist von Caro Emerald und ich bin mir sicher, ihre charmante Mischung aus modernem Jazz und dem Sound der 40er und ","meta_description":null,"html":"<p>2009 betrat eine <strong>niederländische Künstlerin</strong> die internationale Musikbühne, die mit ihrem Debütalbum <strong>Deleted Scenes From The Cutting Room Floor</strong> aus dem Stand mächtig abräumte. Diverse Gold- und Platinauszeichnungen wurden ihr ebenso zuteil wie die Auszeichnung mit der <strong>Goldenen Kamera für die Beste Musik International</strong> oder dem <strong>Echo für den Newcomer des Jahres (International)</strong>. Die Rede ist von <strong>Caro Emerald</strong> und ich bin mir sicher, ihre charmante Mischung aus modernem Jazz und dem Sound der 40er und 50er Jahre Hollywoods ist auch Euch schon mal untergekommen. Seit ein paar Tagen ist ihr zweites Album <strong>The Shocking Miss Emerald</strong> erhältlich. Der Erwartungsdruck nach so einem enorm erfolgreichen Erstling ist immer enorm. Mal gucken, wie sich <strong>Miss Emerald</strong> mit der ewig schwierigen Aufgabe des zweiten Albums geschlagen hat.</p><p>Zumindest eines lässt sich schon mal festhalten: Auf dem zweiten Album begeht <strong>Caro Emerald</strong> insofern keine Experimente, die sie beispielsweise den einmal eingeschlagenen Weg über Bord werfen und ihren Sound komplett umkrempeln lassen. Will sagen: Wo 2013 <strong>Caro Emerald</strong> draufsteht, ist auch nach wie vor genau das drin. Sie setzt ihre höchst eigene Zeitreise in die Glitzer- und Glamourwelt der 40er und 50er Jahre des letzten Jahrhunderts fort. Allerdings ist die Quelle ihrer Inspiration dieses Mal <strong>Paris</strong>. Das hat zur Folge, dass die einzigartige Mischung aus Chanson, Pop, Jazz, Swing und teilweise sogar südamerikanischen Rhythmen eine Spur dunkler, dreckiger, verruchter wirkt. Und verführerischer.</p><p>Schön zu hören, dass selbst in einem so speziellen Sound, wie er bei <strong>Miss Emerald</strong> auf der Tagesordnung steht, eine Entwicklung zu hören ist. Das zweite Album wirkt im Vergleich zum ersten sehr viel dynamischer, viel luftiger, viel detaillierter. Es hat sich also sehr bezahlt gemacht, unter der Führung des Dirigenten und Komponisten <strong>Jules Buckley</strong> in die <strong>Londoner Abbey Road Studios</strong> eingezogen zu sein und mit einem ganzen Orchester gearbeitet zu haben. Bestes Beispiel für diesen gereiften, mächtigen Sound ist das Stück <strong>I Belong To You</strong>, das nicht nur bei mir Erinnerungen an die guten alten Tage wecken wird, in denen die Titelmelodie von <strong>Bond-Filmen</strong> noch echte Highlights waren und nicht solche Schlaftabletten wie etwa <strong>Adeles</strong> Beitrag zu dem Thema. Eine fantastische Nummer, die die ganze Bandbreite des künstlerischen Schaffens von <strong>Caro Emerald</strong> aufzeigt und als Meisterstück dieses Albums angesehen werden muss.</p><p>Wer es im Bezug auf die Animation der eigenen Extremitäten etwas treibender bevorzugt, wird mit dem pfiffigen <strong>Liquid Lunch</strong> bestens bedient. Ähnlich verhält es sich beim bereits als Single ausgekoppelten <strong>Tangled Up</strong>, bei dem nicht nur die von <strong>Paris</strong> inspirierte Thematik im Sound deutlich hervorsticht, sondern das sich auch als fieser kleiner Ohrwurm erweist. Den Brückenschlag zu früheren Klängen vollzieht <strong>Miss Emerald</strong> beim Stück <strong>Coming Back As A Man</strong>, eine entzückende Rückblende zu dem filmmusikartigen Tönen des Erstlings.</p><p>Und was macht <strong>Miss Emerald</strong> angeblich nun so schockierend? Das erklärt Euch <strong>Miss Emerald</strong> wohl am besten selbst: »Der Albumtitel bezieht sich eigentlich auf unsere Arbeitsweise. Wir versuchen, nicht alles so zu machen, wie es die Musikindustrie üblicherweise vorgibt; egal in welcher Beziehung. Das mag für einige Leute ziemlich schockierend sein!« Denkbar, dass dem so ist. Inwiefern sich ihre Arbeitsweise jenseits üblicher Vorgaben bewegt, dazu schweigt sich die Dame jedoch aus. Unterm Strich ist das aber auch völlig wumpe, so lange wie das Ergebnis stimmt. Und das tut es. Mission geglückt, auch das zweite Album ist ein überzeugendes geworden und kann nun einen ähnlichen Siegeszug antreten.</p><p>Was an <strong>Miss Emerald</strong> so schockierend sein soll, weiß ich noch immer nicht. Ihre Musik ist es jedenfalls nicht, ihrer angedeuteten Arbeitsweise zum Trotz. In der schier unüberschaubaren Masse an Veröffentlichungen im Pop-Segment sticht die gute Frau mit ihrem inzwischen doch zum Alleinstellungsmerkmal mutierten Sound jedenfalls hervor wie ein Leuchtfeuer in der Nacht. Und das weder schockierend, noch unangenehm. Mir persönlich hat das erste Album dennoch besser gefallen. Nicht etwa, weil sich inzwischen ein Abnutzungseffekt eingeschlichen hätte oder dergleichen, sondern einfach, weil mir die Melodien des Debüts besser ins Ohr gingen. Aber das ist ja immer eine Frage des persönlichen Geschmacks. Wer sich für das Erstlingswerk begeistern konnte, macht auch hier definitiv nichts falsch. Wer nach schnuckeligen Alternativen zum üblichen Pop-Einerlei sucht, ebenfalls nicht. Das kann man schon mal machen.</p><figure class=\"kg-card kg-image-card kg-card-hascaption\"><img src=\"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/10/caroemerald_theshockingmissemerald.jpg\" class=\"kg-image\" alt=\"\" loading=\"lazy\" width=\"1155\" height=\"1155\" srcset=\"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w600/2026/10/caroemerald_theshockingmissemerald.jpg 600w, https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w1000/2026/10/caroemerald_theshockingmissemerald.jpg 1000w, https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/10/caroemerald_theshockingmissemerald.jpg 1155w\" sizes=\"(min-width: 720px) 720px\"><figcaption><span style=\"white-space: pre-wrap;\">© Universal Music</span></figcaption></figure>","tags":["Musik"],"authors":["Roman Jasiek"],"feature_image":"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/10/pressefoto-caro-emerald.webp","archived_at":"2026-10-11T19:56:05.510Z"}